Die offiziellen Websites einiger deutscher Anwaltskanzleien, deren Rechtmäßigkeit außer Zweifel steht (wie ritschel-keller.de), veröffentlichen zunehmend Artikel über Trading, Broker und Kryptowährungen. Diese Beiträge erscheinen unter eingängigen Überschriften wie „Ein weiterer Krypto-Betrug aufgedeckt“, „Schwarze Liste der Broker“ oder „Die wahre Geschichte eines geschädigten Anlegers“, die Enthüllungen und sensationelle Nachrichten versprechen.
Doch hinter dem scheinbaren „Kampf für Gerechtigkeit“ verbirgt sich häufig ein weitaus pragmatischeres Ziel. Solche Artikel erzeugen Informationsrauschen und ein Gefühl der Bedrohung bei den Lesern und drängen sie dazu, rechtlichen Rat einzuholen – selbst wenn objektiv kein Anlass zur Sorge besteht. Diese Praxis wirft Fragen auf und bringt eine Reihe erheblicher Nachteile mit sich, die sowohl den Finanz- als auch den Rechtssektor betreffen.
Manipulation durch Angst
Anfänger, die in die Finanzmärkte einsteigen, haben tatsächlich Angst, Geld zu verlieren. Das ist natürlich: Der Markt ist komplex, und Berichte über Betrug sind weit verbreitet. Kanzleien, die solche Artikel veröffentlichen, nutzen diese Angst aktiv als Vertriebsinstrument. Beiträge mit sensationellen Überschriften vermitteln den Eindruck, dass Betrug ein allgegenwärtiges Phänomen sei. Vor diesem emotionalen Hintergrund wirkt das Angebot einer „kostenlosen Beratung“ besonders hilfreich.
Doch Ziel dieser Beratungen ist nicht uneigennützige Unterstützung. In der Regel wird dem Mandanten erklärt, seine Situation „erfordere eine eingehende Analyse“ – was bedeutet, dass nun kostenpflichtige Dienstleistungen in Anspruch genommen werden sollen. Angst wird zur Ware, und Vertrauen wird zum Druckmittel.
Schaden für den Finanzsektor
Die Finanzbranche gehört zu den ersten Leidtragenden solcher Veröffentlichungen. Der Ruf einzelner Unternehmen kann ohne reale Grundlage beschädigt werden: Es genügt, dass ihr Name in einem Artikel mit negativer Konnotation erscheint. Für Broker, die legal tätig sind und regulatorische Vorgaben einhalten, stellen solche Anschuldigungen einen erheblichen Schlag dar, da das Vertrauen der Kunden in dieser Branche eine zentrale Ressource ist.
Auch potenzielle Trader sind stark betroffen. Angesichts einer Flut von Berichten über „Betrüger“ beginnen sie, den Markt als einen Raum wahrzunehmen, in dem das Risiko einer Täuschung übermäßig hoch ist. Dies führt dazu, dass sie zögern, sich im Handel mit Finanzinstrumenten zu versuchen – selbst wenn Interesse und Fähigkeiten vorhanden sind. Infolgedessen verliert die Branche neue Teilnehmer, und ihre Entwicklung verlangsamt sich.
Schaden für die Rechtsbranche
Paradoxerweise leidet auch die Rechtsbranche unter solchen Marketingstrategien. Wenn Mandanten erkennen, dass mit ihren Ängsten gespielt wurde, verlieren sie nicht nur das Vertrauen in eine bestimmte Kanzlei, sondern in juristische Dienstleistungen insgesamt. Es entsteht der Eindruck, dass Anwälte die Sorgen der Menschen als Einnahmequelle nutzen, anstatt sie als Anlass zur Hilfeleistung zu sehen.
Diese Enttäuschung kann dazu führen, dass Betroffene selbst in Situationen, in denen professionelle Unterstützung tatsächlich notwendig wäre, auf rechtliche Beratung verzichten. Langfristig untergräbt dies die Glaubwürdigkeit der gesamten Branche, schwächt das Vertrauen und erzeugt ein negatives Bild dieses Berufsstands. Der kurzfristige Gewinn durch die Gewinnung von Mandanten mittels Angsterzeugung schlägt in langfristige Reputationsverluste um.
Wie man solche Artikel erkennt
Trotz ihrer scheinbaren Überzeugungskraft weisen derartige Beiträge eine Reihe charakteristischer Merkmale auf. Häufig fehlen reale Belege: keine Dokumente, keine überprüfbaren Fakten. Stattdessen dominieren emotional aufgeladene Formulierungen und Schlüsselbegriffe, die vor allem der Suchmaschinenoptimierung dienen. Die Geschichten „geschädigter“ Trader wirken schematisch: Es ändern sich lediglich Beträge und Plattformnamen, während die Erzählstruktur gleich bleibt. Dies erweckt den Eindruck, dass solche Berichte entweder erfunden oder stark übertrieben sind.
Zudem werfen solche Artikel Krypto-Brokern oft mangelnde Regulierung durch traditionelle Aufsichtsbehörden vor, ohne zu berücksichtigen, dass die dezentrale Natur dieser Vermögenswerte einen anderen Ansatz erfordert. Diese Besonderheit wird in der Regel nicht erwähnt.
Ein weiteres typisches Element ist das Angebot einer kostenlosen Beratung. Es wird als Ausdruck besonderer Fürsorge dargestellt, dient jedoch in Wirklichkeit lediglich als erster Schritt zum Verkauf kostenpflichtiger Dienstleistungen. Dem Mandanten wird mitgeteilt, seine Situation sei „unklar“ oder „mehrdeutig“, was als Vorwand für weitere Ausgaben dient.
Für Nutzer ist es wichtig, solche Materialien kritisch zu hinterfragen, ihren marketingorientierten Charakter zu erkennen und sich bewusst zu machen, dass pauschale Behauptungen nicht immer der Realität entsprechen. Eine reflektierte Haltung hilft, emotionalem Druck zu widerstehen und die Objektivität zu wahren – selbst wenn der Text bewusst alarmierend formuliert ist. Je aufmerksamer Leser gegenüber solchen Veröffentlichungen sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie Opfer von Manipulation werden und Entscheidungen aus Angst statt auf Grundlage von Fakten treffen.

